Seit Jahrtausenden bewährt: Wie die Kamille bei Erkältungen, Entzündungen oder Magen-Darm-Beschwerden hilft.
Von Bauchkrampf bis Hautreizung: So wenden Sie Kamille richtig an.
Wohl jeder kennt die Kamille, die von Mai bis September ihre typischen Blüten zeigt: Gelbe, kegelförmig gewölbte Köpfchen, die von weißen, fedrigen Blättchen umgeben sind. Die krautige Pflanze wächst am Wegrand, auf Äckern und Schuttplätzen und kann bis zu 50 Zentimeter hoch werden.
Kamille gehört in vielen Haushalten zur kleinen Hausapotheke: als Tee bei Bauchweh, zum Gurgeln bei Halskratzen oder als Badezusatz bei gereizter Haut. Doch so vertraut die Heilpflanze ist, so häufig wird sie überschätzt oder falsch angewendet. Kamille kann leichte Beschwerden sinnvoll lindern – sie ist aber kein Ersatz für ärztliche Abklärung, wenn Symptome stark sind, länger anhalten oder immer wiederkehren. Wichtig ist außerdem: Nicht jede Anwendung, die „schon Oma gemacht hat“, ist heute noch empfehlenswert. Besonders am Auge, bei Allergien und bei Kindern ist Vorsicht gefragt.
Lassen Sie sich beraten
Ihre Apotheke hilft dabei, das passende Präparat auszuwählen: Tee, Extrakt, Salbe, Mundspülung oder Badezusatz. Außerdem kann das Apothekenteam erklären, wie Kamille richtig dosiert und sicher angewendet wird – und wann besser ärztlicher Rat gefragt ist.
Was steckt in der Kamille?
Für Arzneitees und pflanzliche Arzneimittel werden die Blüten der Echten Kamille verwendet, botanisch Matricaria recutita L.. In ihnen steckt ein Gemisch aus ätherischem Öl, Flavonoiden und weiteren Pflanzenstoffen. Diese Stoffe werden mit entzündungshemmenden, krampflösenden, reizlindernden und leicht antimikrobiellen Effekten in Verbindung gebracht.
Wichtig für die Einordnung: Die Europäische Arzneimittel-Agentur bewertet Kamillenblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Das heißt: Die Anwendung beruht auf langjähriger Erfahrung und plausibler Wirkung, nicht auf durchgehend starken klinischen Studien. Die offizielle Bewertung nennt Kamille unter anderem bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, Erkältungssymptomen, kleinen Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei leichten Hautreizungen.
Kamille bei Magen-Darm-Beschwerden
Der Klassiker ist Kamillentee bei leichten krampfartigen Bauchbeschwerden, Blähungen oder Völlegefühl. Kamille kann die verkrampfte Muskulatur im Verdauungstrakt entspannen und den Abgang von Luft erleichtern. Genau dafür wird sie traditionell eingesetzt.
Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren werden bei Kamillenblüten-Tee je nach Präparat etwa 1,5 bis 4 Gramm Kamillenblüten pro Tasse empfohlen, meist 3- bis 4-mal täglich zwischen den Mahlzeiten. Der Tee sollte frisch zubereitet werden: mit siedendem Wasser übergießen, etwa 10 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen.
Kamille eignet sich besonders, wenn die Beschwerden mild sind und klar zum Beispiel nach schwerem Essen, Stress oder einem empfindlichen Magen auftreten. Ärztlich abgeklärt werden sollten dagegen starke Bauchschmerzen, Fieber, Blut im Stuhl, anhaltendes Erbrechen, ungewollter Gewichtsverlust oder Beschwerden, die immer wiederkehren.
Kamille für Mund und Rachen
Bei gereiztem Hals, Zahnfleischentzündung oder kleinen entzündlichen Stellen im Mund kann Kamille als Gurgellösung oder Mundspülung angenehm sein. Die Anwendung ist dabei äußerlich: Der lauwarme Aufguss wird im Mund bewegt oder gegurgelt und anschließend ausgespuckt. Kamille wird traditionell bei kleinen Entzündungen und wunden Stellen im Mund- und Rachenraum eingesetzt.
Wichtig: Nicht zu heiß anwenden. Gerade gereizte Schleimhäute reagieren empfindlich auf Hitze. Besser ist ein lauwarmer Aufguss. Wenn starke Schluckbeschwerden, hohes Fieber, Eiterbeläge, Atemnot oder eine einseitige starke Schwellung auftreten, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Kamille bei Erkältung: wohltuend, aber mit Grenzen
Viele Menschen inhalieren bei Schnupfen oder Husten mit Kamille. Die Wärme und Feuchtigkeit können als wohltuend empfunden werden, die Schleimhäute befeuchten und das Durchatmen erleichtern. Offiziell wird Kamille auch zur Linderung von Erkältungssymptomen genannt.
Aber: Die klassische Schüssel-mit-Handtuch-Methode ist nicht für alle geeignet. Bei Kindern besteht beim heißen Wasserdampf ein klares Verbrühungsrisiko; die AOK weisen außerdem darauf hin, dass heiße Dampfinhalation für Kinder nicht geeignet beziehungsweise riskant ist.
Auch Erwachsene sollten vorsichtig sein: Abstand zum heißen Wasser halten, Augen schützen, nicht bei Schwindel oder Kreislaufproblemen inhalieren und bei Asthma oder empfindlichen Atemwegen vorher nachfragen. Wer eine sichere Alternative zur Befeuchtung sucht, kann sich in der Apotheke zu Inhalationsgeräten und steriler Kochsalzlösung beraten lassen.
Kamille für Haut, Sitzbad und kleine Reizungen
Kamille steckt in Salben, Cremes, Badezusätzen und Lösungen für Umschläge. Traditionell wird sie bei leichten Hautentzündungen, Sonnenbrand, oberflächlichen Wunden, kleinen Furunkeln sowie Reizungen im Anal- und Genitalbereich eingesetzt – allerdings nur, wenn ernstere Ursachen ausgeschlossen sind.
Bei Sitzbädern oder Umschlägen gilt: frisch zubereiten, sauber arbeiten, nicht zu heiß anwenden und nicht auf tiefe, stark nässende oder großflächige Wunden geben. Voll- oder Teilbäder mit Kamille sind nicht geeignet bei offenen Wunden, großflächigen Hautschäden, akuten schweren Hauterkrankungen, hohem Fieber, schweren Infektionen oder schweren Herz-Kreislauf-Problemen.
Was Kamille nicht kann
Kamille ist kein Allheilmittel. Sie kann leichte Beschwerden lindern, aber keine bakterielle Angina, keine schwere Hautinfektion, keine chronische Magen-Darm-Erkrankung und keine ernsthafte allergische Reaktion behandeln. Die European Medicines Agency (EMA) empfiehlt, ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einzuholen, wenn Beschwerden während der Behandlung länger als eine Woche anhalten.
Besonders wichtig: Kamille gehört nicht ins Auge. Selbst hergestellte Kamillenlösungen können verunreinigt sein und allergische Reaktionen auslösen. Augenärzte raten von Kamillekompressen oder Kamillenspülungen am Auge ab; besser geeignet sind sterile Kochsalzlösungen oder geeignete Augentropfen aus der Apotheke.
Wer sollte vorsichtig sein?
Menschen mit einer Allergie gegen Kamille oder andere Korbblütler, also Pflanzen aus der Familie der Asteraceae, sollten Kamillenpräparate nicht anwenden. Allergische Reaktionen sind selten, können aber auch schwer verlaufen.
Vorsicht ist außerdem sinnvoll, wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden. Denn Kamille kann möglicherweise die Wirkung von gerinnungshemmenden Arzneimitteln und Beruhigungsmitteln verstärken. Wer Blutverdünner, Schlaf- oder Beruhigungsmittel, Tamoxifen, Hormonpräparate oder östrogenhaltige Verhütungsmittel nimmt, sollte regelmäßige oder hoch dosierte Kamillenanwendungen vorher ärztlich oder pharmazeutisch abklären.
Auch bei Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern gilt: gelegentlicher Kamillentee ist etwas anderes als eine intensive, mehrmals tägliche medizinische Anwendung. Für Kinder unter 12 Jahren sollte die Dosierung mit Arzt oder Apotheke abgestimmt werden.
Tee, Extrakt oder Salbe – was ist besser?
Kamillentee ist einfach, günstig und für leichte Magen-Darm-Beschwerden gut geeignet. Für Mundspülungen, Hautanwendungen oder Sitzbäder können jedoch standardisierte Fertigpräparate praktischer sein. In der Apotheke gibt es zum Beispiel Kamillenextrakte, Tinkturen, Konzentrate, Salben, Cremes und Badezusätze.
Ein Vorteil bestimmter alkoholisch-wässriger Kamillenextrakte: Sie erfassen sowohl wasserlösliche als auch fettlösliche Inhaltsstoffe besser als ein reiner Teeaufguss.
Arzneitees aus der Apotheke sind am besten für die medizinische Anwendung vorgesehen, sie enthalten die richtige Droge und haben eine klare Dosierungsangabe. Das ist gerade dann hilfreich, wenn Kamille nicht nur als Wohlfühltee, sondern gezielt gegen Beschwerden eingesetzt wird.
Falsche Kamille: Mehr Schein als sein
Möchten Sie selbst Echte Kamille ernten, müssen Sie genau hinschauen. Denn sie ist der Falschen Kamille oder Hundskamille, die nicht für Heilzwecke geeignet ist, sehr ähnlich. Gut, wenn Sie ein feines Näschen haben, denn die Echte Kamille ist gut an ihrem Duft zu erkennen. Falsche Kamille oder Hundskamille riecht nur schwach oder gar nicht. Das gelbe Blütenköpfchen ist zudem bei der Echten Kamille innen hohl, bei der Falschen oder Hundskamille gefüllt. Machen Sie im Zweifel keine Experimente, denn andere Kamillenarten könnten Hautreizungen und Allergien hervorrufen.
Kamille kurz & knapp
Kamille ist eine der bekanntesten und vielseitigsten Heilpflanzen in der Hausapotheke. Richtig eingesetzt kann sie leichte Magen-Darm-Krämpfe, Blähungen, gereizte Schleimhäute im Mund- und Rachenraum, Erkältungsbeschwerden sowie leichte Hautreizungen lindern. Ihre Stärke liegt in der sanften, traditionellen Anwendung bei unkomplizierten Beschwerden.
Gleichzeitig verdient Kamille mehr Respekt, als ihr oft entgegengebracht wird. „Natürlich“ bedeutet nicht automatisch „immer harmlos“. Allergien, falsche Anwendung am Auge, zu heißes Inhalieren oder ungeeignete Sitzbäder können Probleme verursachen. Auch bei Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Dauermedikation lohnt sich eine kurze Rückfrage in Ihrer Schiller Apotheke .
In der Apotheke führen wir standardisierte Extrakte, fertig portionierte Sitzbäder, Wundsalben, Mund- und Rachen-Sprays, homöopathische Kügelchen und getrocknete Blüten für Tees und Aufgüsse. Sie erhalten bei uns ausschließlich qualitativ hochwertige und bewährte Produkte mit geprüftem Wirkstoffgehalt.
FAQ: Häufige Fragen zu Kamille
Hilft Kamillentee wirklich bei Bauchschmerzen?
Bei leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Völlegefühl kann Kamillentee sinnvoll sein. Bei starken, ungewohnten oder wiederkehrenden Bauchschmerzen sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Darf man Kamille bei Augenentzündungen verwenden?
Nein. Kamillentee oder Kamillekompressen am Auge werden nicht empfohlen. Sie können verunreinigt sein und Allergien auslösen. Besser sind sterile Kochsalzlösung oder geeignete Augentropfen aus der Apotheke.
Ist Kamille für Kinder geeignet?
Nicht pauschal. Manche Kamillenpräparate sind auch für Kinder vorgesehen, andere nicht. Für Kinder unter 12 Jahren sollte die Dosierung mit Arzt oder Apotheke besprochen werden. Heiße Dampfinhalation über einer Schüssel ist wegen Verbrühungsgefahr für Kinder nicht geeignet.
Kann man Kamillentee täglich trinken?
Gelegentlich ist Kamillentee für viele Menschen gut verträglich. Wer ihn täglich und in größeren Mengen trinkt, sollte abwechseln. Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass Kräutertees durch mitgeerntete Beikräuter Pyrrolizidinalkaloide enthalten können; besonders Schwangere, Stillende und Kinder sollten Kräutertees nicht übermäßig trinken.
Was ist besser: Kamillentee oder Kamillenextrakt?
Für leichte Magen-Darm-Beschwerden reicht oft ein Tee. Für gezielte Anwendungen, etwa im Mund-Rachen-Raum oder auf der Haut, können Fertigpräparate aus der Apotheke praktischer und besser dosierbar sein. Bestimmte alkoholisch-wässrige Extrakte enthalten ein breiteres Spektrum an Kamilleninhaltsstoffen als Tee.
Kamille richtig zubereiten
Für eine Tasse Kamillentee nehmen Erwachsene meist etwa 1 bis 2 Teelöffel Kamillenblüten oder die laut Packung empfohlene Menge. Mit siedendem Wasser übergießen, abdecken, etwa 10 Minuten ziehen lassen und frisch trinken. Abdecken ist sinnvoll, weil flüchtige Bestandteile des ätherischen Öls besser im Aufguss bleiben. Für Umschläge oder Spülungen den Aufguss immer frisch zubereiten, gut abseihen und abkühlen lassen. Reste nicht für später aufbewahren. Und bitte merken: Kamille ja – aber nicht am Auge, nicht bei Korbblütler-Allergie und nicht als Ersatz für ärztliche Abklärung bei starken Beschwerden.
Verfasst und geprüft von der APOVENA Fachredaktion in Zusammenarbeit mit der Schiller Apotheke in Guben . Stand 06/2026. Dieser Artikel ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder Apotheke.
Für eine persönliche Beratung kommen Sie einfach bei uns in der Schiller Apotheke in Guben vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und helfen Ihnen gerne weiter.
Volker Krüger,